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Aralkum-Ride – Mit dem Saab zum Aralsee

Wer einmal die Weite der Steppe erlebt hat, den lässt dieser Anblick nie wieder los. Schier endlos scheint die Landschaft hier in Kasachstan zu sein. Das achtgrößte Land der Erde ist nur schwer in einem zu fassen. Es muss nicht immer der Sonnenuntergang am Meer sein. Hier scheinen Steppe und Himmel direkt miteinander zu verschmelzen und das jeden Abend aufs Neue.

Markus und ich sind bereits acht Tage unterwegs, als wir die kasachische Grenze passieren. Unser Weg hierher führte uns durch Masuren, Litauen, Lettland und Russland bis hinter den Ural. Dank der neu gegründeten Eurasischen Union gelingt die Einreise nach Kasachstan ohne Probleme. Die Zolldeklaration für unseren 18 Jahre alten Saab 9-3 haben wir bereits mit unserer Einreise nach Russland erledigt und so nimmt der lästige Papierkram nicht mehr als 20 Minuten in Anspruch.

Doch was wollen wir eigentlich hier – mitten in Zentralasien?

Irgendjemand hat mal gesagt: „Tue Dinge, solange du sie noch tun kannst!“ Und so entscheiden wir uns für eine Tour zum langsam austrocknenden Aralsee. Doch bevor wir am ehemals viertgrößten See der Erde stehen wollen, steht erst einmal der Besuch der neuen Hauptstadt des Binnenstaates an. Astana ist 2017 der Austragungsort für die Weltausstellung – für diese riesige Veranstaltung wird sich bereits Jahre zuvor herausgeputzt.

Astana lockt mit einem neuen Zentrum, goldenen Türmen und Prachtbauten, die den Kontrast zwischen dem Leben auf dem Land und in der Hauptstadt unvorstellbar groß erscheinen lassen. Dennoch genießen wir den Blick von Kasachstans neuem Wahrzeichen – dem Bayterek-Turm im neuen Zentrum der mitten in die Steppe gebauten Stadt. Hier wird für uns greifbar, was das Wort Personenkult bedeutet – Nursultan Nasarbayew errichtet hier wie ein Fürst seine eigene Fantasie-Welt, für die uns ein wenig das Verständnis zu fehlen scheint.

Wir verlassen Astana nach zwei Tagen – und wie überall in Kasachstan fallen wir hier mit unserem alten Auto auf. Die Leute winken uns zu, fragen uns, woher wir kommen und geben uns zu verstehen, dass sie die Aktion ein wenig verrückt finden, wünschen uns für unsere Weiterfahrt immer wieder alles Gute. „Rachmed! Danke!“ Und so führt uns unser Weg in Richtung Süden durch dieses dünn besiedelte Land.

Die Straßen werden außerhalb Astanas immer schlechter, bis sie sich komplett auflösen, und so quälen wir uns durch die Nacht über Straßen, die irgendwann einfach aufgehört haben zu existieren. Hatten wir für den Weg von Astana nach Aralsk, der ehemals blühenden Hafenstadt am Aralsee zwei Tage eingeplant, werden es derer nun fünf. „Ich glaube, wir haben das mit den Entfernungen in diesem Land und den Straßen ein wenig falsch eingeschätzt!“, gebe ich Markus zu verstehen. „Prost!“ ist das Einzige was mein Freund mir entgegnet, bevor das kühle Bier nach dem Ankommen unsere trockenen Kehlen hinunterläuft.

Mittlerweile ist es 2 Uhr nachts. Und so ergeht es uns fast jeden Tag, denn die Entfernungen hier sind wirklich unglaublich. Doch auf dem Weg nach Aralsk, vorbei am Weltraumbahnhof in Baykonur, haben wir Glück und treffen auf eine der besten Straßen auf unserer rund 12.500 km langen Tour. Diese Straße haben die Russen gebaut für ihre Transporte von Saratov nach Baykonur. Es geht also doch! Kurze Zeit später erreichen wir das eigentliche Ziel unserer Reise: Aralsk – die ehemals blühende Stadt am Ufer der Aralsees.

Vor den 1960er Jahren war Aralsk eine der wichtigsten Fischerei-Städte der ganzen Sowjetunion. Tausende von Arbeitern hatten eine Job in der örtlichen Fischfabrik. Der Aralsee galt als eines der fischreichsten Gewässer der Welt. Doch seit den 1960er-Jahren passiert hier etwas, was als eine der größten von Menschen verursachten Umweltkatastrophen gilt. In Usbekistan werden unglaubliche Mengen Wasser aus den Zuflüssen Syrdaja und Amyrdaja für den Baumwollanbau abgezweigt.

Und so kommt im einst so stolzen Aralsee nicht mehr genug Wasser an. Mittlerweile hat sich am Ostufer des Sees mit dem Rückgang des Wassers eine neue Wüste gebildet. Die Aralkum-Wüste hat schwerwiegende Auswirkungen auf das Klima der ganzenRegion. Niederschläge finden kaum noch den Weg auf die Erde und so schreitet die Wüste unaufhaltsam voran. Ein Spiegelbild dieser Entwicklung ist Aralsk. Die ehemalige Hafenstadt ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Von den rund 33.000 Einwohnern der Stadt lebt ein Großteil nur noch von der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Von der ehemaligen Größe des Sees, immerhin so groß wie ganz Bayern, ist nur noch ein Bruchteil übriggeblieben. Während der südliche Teil des Sees bereits komplett ausgetrocknet ist, zeigen die Bemühungen, zumindest den nördlichen Teil des See zu retten, erste Erfolge. Dennoch liegt Aralsk heute gut 80 km vom heutigen Ufer des Aralsees entfernt. Wie stumme Zeuge des Verfalls ragen die alten Hafenkräne an der alten Kaimauer in den Himmel. Wir verbringen eine Nacht im berühmten Hotel Aralsk und machen uns am nächsten Tag über eine der schlimmsten Straßen, die wir bis hierhin unter die Räder genommen haben, auf den Weg ans Ufer des kleinen Teils des Sees 80 km sollen es sein. Kaum vorstellbar, dass die Straße durch die Wüste einmal der alte Seegrund war. Nach gut drei Stunden erreichen wir den Ort Tastubek – wir können das Flimmern des Wassers in der Hitze am Horizont bereits erkennen – aber die Einheimischen geben uns zu verstehen, dass es für uns mit unserer Mittelklasse-limousine und ohne Allradantrieb keine Möglichkeit gibt, das Ufer des Sees zu erreichen.

Nach allem, was wir straßentechnisch bisher erlebt haben, schenken wir den Aussagen der Einwohner Glauben und akzeptieren einfach, dass wir nur bis hierhin kommen und nicht weiter. Immerhin muss das Auto noch rund 4.500 km halten!

4.500 km auf denen wir genug Zeit haben, die letzten zweieinhalb Wochen noch einmal Revue passieren zu lassen – die Begegnungen mit den unglaublich freundlichen Menschen überall, die Weite der Steppe mit Ihren unfassbaren Sonnenuntergängen, der Staub, die Hitze, aber auch die vielen Begegnungen am Straßenrand – egal ob mit der Polizei oder normalen Bürgern!

Kasachstan – ein Land mit Herz – im Herzen Zentralasiens