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Die Gemse | Die Rückkehr des Wanderstabs

Ein Wanderstab aus Holz? Das mutet schon seltsam an. An einem kleinen Stand auf Deutschlands größter Wandermesse TourNatur bildet sich eine große Besuchertraube – als ob es dort was geschenkt gäbe. Gibt es aber nicht. Im Gegenteil: Der Wanderstab „Die Gemse“ soll fast 200 Euro kosten.

Was fasziniert an dem Wanderstab „Die Gemse“ in einer Zeit, da man von Hightech-Materialien wie Titan, Karbon oder anodisiertem Aluminium spricht? Einiges! Die Classic Version ist aus Esche und Nussbaum, eine andere aus Kirschbaum und Rosenholz und der dunkle, vor allem von Männern bevorzugte, aus Nussbaum und Räuchereiche. Natürlich alles heimische Hölzer. „Die Gemse“ ist so edel, dass der Holzstab mehrere Design-Preise „abräumen“ konnte. 2010 hat er den renommierten „Reddot Design Award“ gewonnen, ein Jahr später folgte der „Designpreis Deutschland in Gold“. „Die Gemse“ ist technisch: Der Stab besteht aus sieben Lagen Holz, der Griff gar aus neun. Dazu ist im Stab ein Kautschukkern eingearbeitet. Dieser macht den Stock nicht nur erstaunlich leicht, sondern gibt ihm auch Elastizität in eine Richtung, sowie Steifigkeit in die andere.

„Die Gemse“ ist tatsächlich ein Funktionsprodukt. Mit Gummipad oder Dorn, Daumenmulde zur Stockkontrolle und zweiseitig einsetzbar. Am allerwichtigsten aber: Der Wanderstab hat eine Geschichte, die so manchen Superlativ von Marketingstrategen schlägt.

Die Jungs der Lebenshilfe können’s

Als der Designer Jan-Erik Gerdt für sein Design einen Produzenten suchte, kontaktierte er gut 20 Schreinereien in Norddeutschland. Alle sagten ihm ab mit der Begründung, den Stock könne man in der Qualität nicht über einen längeren Zeitraum garantieren. Auch die Schreinerei der Lebenshilfe Detmold e.V. erfuhr davon. Sie schauten sich den Wanderstab genau an, überlegten, diskutierten und versprachen: „Wir kriegen das hin,“ so Schreinermeister Hans-Jürgen Immand in der Lebenshilfe Werkstatt. Gut sechs Jahre und fast 700 produzierte Wanderstäbe später, muss man sagen: „Sie haben das hinbekommen.“ Sie, das sind Martin Hausmann, Projektleiter Gemse und das Team „Gemse“ mit Björn, Hermann, Klaus und – seit Ende 2014 – Jonathan.

Sein Ziel war es, peu a peu alle Produktionsstufen des Wanderstabes so zu organisieren, dass er zu 100% von Menschen mit Behinderung gebaut werden konnte. Das verlangte zuerst einmal die Aufteilung der Arbeiten in viel kleine, jeder für sich, einfache Schritte. Das nötige Werkzeug entwickelte Martin gleich selbst. Anfangs ging es darum, was kann Björn besser, was Hermann und was Klaus, und was musste er noch selbst beisteuern.

“Das können nur wir”

„Den Kautschukkeil und die Aufsätze für die Spitze kaufen wir zu, aber alles andere ist absolute Handarbeit,“ berichtet Martin. Vor allem die Designpreise und die Erfolge beim Verkauf auf der TourNatur spornte das Team an. „Es gibt keinen auf der ganzen Welt, der diesen Wanderstab noch produzieren kann,“ erzählt Björn und fügt stolz hinzu „und ich bin einer von denen, die das machen.“

Der Wanderstab wird zu 100% von Menschen mit Behinderung gemacht. Alles in Handarbeit, in einer hochwertigen Qualität, was andere Schreiner für nicht machbar hielten. „Die Gemse“ ist nicht TÜV-geprüft, hält aber dennoch viel aus.

Ach ja, noch etwas: Kaufen kann man den Wanderstab auch, entweder unter www.gemse-shop.net oder in einer Globetrotter Filiale.

Text von Ralf Stefan Beppler