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Experten-Interview | Gefährliche Chemie in Outdoor-Bekleidung?

Greenpeace hat mit einer neuen Studie jüngst für Aufsehen in der Outdoor-Szene gesorgt und erneut gefährliche Chemikalien in wasserdichten Funktionsjacken gefunden. Die Umweltaktivisten werfen verschiedenen Herstellern vor, per- bzw. polyfluorierte Kohlenwasserstoffe, sogenannte PFC’s, in ihren Jacken einzusetzen. Was steckt dahinter?

Was ist an diesen Chemikalien umwelt- oder gesundheitsschädlich?
R. S. Beppler: PFCs gehören zur Gruppe der sog. PBT Chemikalien. PBT steht für persistent, bioakkumulativ und toxisch. Auf deutsch heißt das, dass diese Chemikalien giftig sind, sich in der Umwelt und in Lebewesen anhäufen und dauerhaft dort bleiben. Sie lassen sich weder chemisch noch biologisch oder mechanisch abbauen. Eine Entsorgung ist nur durch Verbrennung möglich. Doch dabei entsteht giftiges Dioxin. PFC-Verbindungen können ins Blut und ins Gewebe eindringen. Sie wurden bereits in Pflanzen, Tieren und auch im Blut von Menschen gefunden.

Was bewirken diese Verbindungen beim Menschen?
R. S. Beppler: Das lässt sich noch nicht umfassend sagen. Die Untersuchungen auf diesem Gebiet sind relativ jung. Man weiß aber, dass PFCs das Immunsystem beeinflussen. Eine isländische Studie hat gezeigt, dass Kinder eine Resistenz gegen Diphterie- und Tetanus-Impfungen zeigen. Eine andere Studie weist eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit von Frauen nach. Tierversuche deuten sogar auf eine krebsauslösende Wirkung hin. Wir wissen noch nicht genau, was wir uns und der Umwelt mit PFCs antun.

Wofür werden diese Chemikalien in Outdoor-Bekleidung eingesetzt?
R. S. Beppler: PFC kommt als sog. DWR-Ausrüstung (durable water resistant = dauerhaft wasserabweisend; Anm. d. Red.), also als Imprägnierung zum Einsatz. Wasserdicht sind die Jacken und Hosen durch ihre Membrane. Das PFC sorgt dafür, die Atmungsaktivität dieser Bekleidung zu erhalten. Ohne eine Imprägnierung saugt sich der Oberstoff mit Wasser voll. Der Wasserdampf muss dann zusätzlich durch eine Wasserschicht auf der Membrane nach außen dringen. Außerdem perlt das Regenwasser ab. Die Jacke bleibt leicht, auch fühlt sie sich dann von innen nicht so kalt an.

Gibt es noch andere Bereiche, in denen PFC eingesetzt wird?
R. S. Beppler: Ja, und zwar ganz massiv. PFCs werden in ganz normaler Oberbekleidung, also Hemden, Anzügen, Sakkos, und Kostümen eingesetzt. Hier geht es vor allem um Schmutzabweisung. Soßen- oder Kaffeeflecken, Kosmetik-Rückstände und Fette lassen sich damit problemlos auswaschen. Auch Teppiche, Polstermöbel oder Autositze werden mit PFC imprägniert.

Warum konzentriert sich Greenpeace dann mit seiner Kritik auf die Outdoor-Bekleidung?
R. S. Beppler: Natürlich sind Outdoorjacken auch belastet. Ich sehe aber auch weitere Gründe. Die Outdoor-Sportler und die Outdoor-Industrie sind für Umweltthemen sehr sensibel und auch offen. Die Outdoor-Branche reagiert auf Kritik und ist auch bereit etwas zu ändern – wie auch die aktuelle Diskussion um Sozialstandards zeigt, wo Outdoorfirmen innerhalb weniger Jahre viel verändert haben und es weiterhin tun. Ich denke, dass Greenpeace sich davon verspricht, eine breitere Öffentlichkeit für das Thema PFC sensibilisieren zu können.

Warum ersetzen die Outdoor-Bekleidungshersteller PFC nicht einfach durch andere Stoffe?
R. S. Beppler: Das wird bei einzelnen Firmen bereits gemacht. Insgesamt ist es ein Prozess. Heute arbeiten die Entwicklungsabteilungen schon an den Kollektionen Sommer 2017. Veränderungen sind deshalb nicht innerhalb eines Jahres umzusetzen. PFCs zu ersetzen ist heute grundsätzlich schon möglich. Allerdings argumentieren viele Hersteller, dass die Leistungen der Alternativen noch nicht 100%-ig identisch sind. Bei der Wasserabweisung gibt es Lösungen, die fast aufgeschlossen haben, auch wenn der Abperleffekt noch nicht ganz so gut ist. In Sachen Schmutz- und Ölabweisung hinken die Alter- nativen noch hinterher. Die Funktion wird meiner Meinung nach aber hier etwas überhöht.

Warum muss ich meine Outdoor-Jacke nach dem Waschen von Zeit zu Zeit nachimprägnieren?
R. S. Beppler: Selbst die umstrittenen hochwertigen PFC-Imprägnierung waschen sich aus und man muss den Oberstoff nachimprägnieren, um den Abperleffekt aufrecht zu erhalten.

Zumindest bei den bislang angebotenen Ausrüstungen. Hier kann der Verbraucher darauf achten, dass man ungiftige, also PFC-freie Imprägnierungen einsetzt – etwa Nikwax oder Green Line von Fibertec. Bei einer Sprüh-Imprägnierung mit PFC gelangen die Chemikalien in die unmittelbare Umgebungsluft, beim Waschen oder Tauchbad in das Abwasser. Das kann dann auch für den Menschen mittelbar gefährlich sein.

Welche Lösung sehen Sie?
R. S. Beppler: Die Industrie sollte schnellst möglich auf PFC-freie Imprägnierungen umsteigen. Die Alternativen sind da und technisch ist das innerhalb des normalen Produktentwicklungszyklus möglich, also innerhalb der nächsten zwei Jahre. Die Diskussion um die bessere Performance halte ich für eine Scheindiskussion. Selbst im extremen Einsatzbereich hängt weder die Leistung der Bergsteiger noch deren Erfolg an einer PFC-Imprägnierung. Für den flächendeckenden Einsatz besteht diese Notwendigkeit erst recht nicht. Wer funktionell mehr Atmungsaktivität, Schutz und Komfort will, kann durch andere Maßnahmen weitaus mehr erreichen als durch PFC-Ausrüstungen.

Vielen Dank für das Gespräch