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Kolumne | Ist der Selfie-Stick der neue Wander-Stock?

Wichtiger Hinweis: Der Autor verbittet sich die Unterstellung von Ironie in dem folgenden Text!

RÜCKBLENDE ZUM DEZEMBER 2014

Aufgrund eines Zwischenstopps auf dem Weg nach Neuseeland stehe ich irgendwo in Tokio in einer Fußgängerzone, schaue ungläubig drein und schüttele verwundert meinen Jetlag-geplagten Kopf. Ich beobachte eine Gruppe Japaner, die sich gegenseitig über die Schultern fassen, Grimassen schneiden und ein kollektives “蟻糞” (japanisch für “Cheeeese”) ausrufen…

Eigentlich ein normales Verhalten wie es millionenfach am Tag auf der ganzen Welt vorkommt, wenn man sich zu einem Gruppenfoto zusammenstellt. Das Besondere hierbei ist jedoch, dass niemand Fremdes auf der Straße angehalten werden musste mit der Bitte “Könnten Sie bitte ein Foto von uns machen?” Nein, eine Person der Grimassen schneidenden Gruppe hält eine Art Teleskop-Stock in der Hand und hält diesen im 45°-Winkel am ausgestreckten Arm von sich weg.

Am Ende dieses Stocks befindet sich keine Kamera, sondern ein großes Display, auf dem sich die Gruppe selbst sieht und entsprechend in Position stellen kann. Nun bleibt zu ergänzen, dass im technikverrückten Japan niemand ein “normal” großes Smartphone besitzt. Um eine Relation zu bekommen: Ein Smartphone ist hier eigentlich erst ab den Ausmaßen eines mittelgroßen Küchen-Schneidebretts zu haben. Umso skurriler der Anblick …
Das ist er also – mein erster Kontakt mit dem ab sofort omnipräsenten “Selfie-Stick” …

ZEITSPRUNG AUF HEUTE

Inzwischen ist der Anblick von Selfie-Sticks alltäglich geworden. Egal ob Pärchen oder Gruppen von bis zu 30 Personen … Alle drücken sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit an die Schulter der Selfie-Stick haltenden Person und richten den Kopf gen Himmel. Es ist sogar schon so weit, dass manche Personen ihr Smartphone gar nicht mehr vom Selfie-Stick abnehmen, nachdem ein Foto geschossen wurde. Das höchste der Gefühle ist, dass der Stick zusammengeschoben wird und das Handy von nun an wie die Fackel mit dem olympischen Feuer durch die Straßen getragen wird, bis sich die nächste Gelegenheit bietet für ein immergleiches Foto vor wechselnd verschwommenem Hintergrund.

Ach da fällt mir ein, gibt es eigentlich schon einen “Finger-Stick”? Also ein Teleskop-Stock welcher genauso lang ist wie der Selfie-Stick nur mit einem ausgestreckten Finger an der Spitze. So könnte man den Selfie-Stick immer ausgefahren lassen und das Handy trotzdem weiter bedienen …

Die größte Häufung des Selfie-Sticks ist bei Touristen zu beobachten, die sich an Punkten von öffentlichem Interesse, also Sehenswürdigkeiten, aufhalten. Wo ich diesen Stick jedoch nicht so schnell erwartet hätte, war in den Bergen … (obwohl hier auch viele mit gleich mehreren Stöcken unterwegs sind). Aber warum denn eigentlich nicht!?!? Schluss mit den Zeiten, in denen die teure Digitalkamera auf wackeligsten Gebilden von aufgeschichteten Steinen über nassem Grass oder schlimmer noch am Rande eines tiefen Abgrundes balanciert, während das rote Licht des Selbstauslösers sich von 10 abwärts blinkt. Vorbei die Zeiten, in denen die Selbstauslöser betätigende Person im todesmutigen Sprint über messerscharfe Felsen hechtet, um rechtzeitig am Gipfelkreuz anzukommen und völlig außer Atem aber trotzdem lässig in die Kamera zu schauen … Und auch vorbei die Zeiten des kollektiven Aufschreis, wenn die Kamera kurz vor der Aufnahme des Fotos (LÄCHELN! Das Licht blinkt schon ganz schnell!!!) unbarmherzig von einem Wind-stoß von seinem Podest gekippt wird …

Auch würden sich für die Outdoor-Industrie unendliche Möglichkeiten für neue und sündhaft teure Ausrüstungsgegenstände ergeben: Der Trekking-Stock mit spezieller Halterung zur Fixierung des Handys … Oder besser noch, der Eispickel mit der entsprechenden Halterung, damit beim Schwung des Pickels ins Eis eine authentische, stark verwackelte Aufnahme eines vor Anstrengung verzerrten Gesichts aufgenommen werden kann. Oder für die ökologisch bewussten Konsumenten der Selfie-Stick mit Haftungsoptimiertem Grip-Griff, der natürlich aus recycelten Vibram-Bergschuh-Sohlen hergestellt wurde.

Und deshalb war es auch Anfang Juni soweit … Bei einer Tour im Wettersteingebirge entdeckte ich das erste Mal zwischen all den Wander-Stöcken auch einen Selfie-Stick … Zuerst dachte ich noch es ist nur ein Bergsteiger beim Versuch seinem Kameraden mit dem Stock einen Gipfel zu zeigen … Doch dann erkannte ich an dem verräterischen starren Grinsen auf den Gesichtern, dass es sich um einen Selfie-Stick handeln muss …

Ich bin schon kurz davor loszurennen, den Selfie-Stick an mich zu reißen und mit einem lauten Aufschrei in den Abgrund zu werfen …

Doch dann realisiere ich, dass die bisher als Bergsteiger gesehenen Personen Flip-Flops und Ballerinas an den Füßen tragen, statt steigeisenfesten Alpin-Stiefeln … Auch sind die Haare perfekt gestyled, anstatt wirr und verschwitzt an der Stirn zu kleben …

So langsam beginne ich zu realisieren, wo ich mich befinde. Konzentriert und ohne den Blick zu heben habe ich nach einer langen Tour wohl soeben mein Ziel erreicht. Den Gipfel der Zugspitze. Direkt daneben befindet sich die Fußballfeld große Aussichtsplattform der Gondel, auf welcher sich quasi das Treiben einer Fußgängerzone in Tokio abspielt. Ich bin erleichtert und zufrieden über die Feststellung, dass die heile Bergwelt und die Gemeinde der Bergsteiger doch nicht diesem Trend der höchst entwickelten Form der Selbstdarstellung erlegen ist. Und so blicke ich erleichtert zufrieden in Richtung Sonne, strecke einen Daumen nach oben und drücke auf den Auslöserknopf meines Handys in meiner anderen ausgetreckten Hand …

Euer Selfie-Freund Daniel

(Daniel Schweizer ist leidenschaftlicher Bergsteiger, schafft es gefühlt mehr Urlaub zu haben als ein Lehrer und verbringt jede freie Minute in der Natur. Seit 2013 ist er für das Maier Sports Team unterwegs.)