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Nicaragua bewegt: Wo der Tourismus erwacht.

Nicaragua gilt als Land der 1.000 Vulkane. Tatsächlich sind es zwar „nur“ gut 40 Brodelnde Vulkane. Doch das Land hat noch vieles mehr zu bieten: tropischer Regenwald, Kaffee von Spitzenqualität und schmucke Kolonialstädte. Reiseautorin Monika Neiheisser war auf Pioniertour...

Hustend stehe ich auf dem Gipfel des Cerro Negro. Es riecht penetrant nach faulen Eiern, die schwefelhaltige Luft um mich herum wabert und dampft. Kein Wunder, dieser junge Vulkan kommt nie zur Ruhe. Unter mir schmelzen gleich die Sohlen meiner Wanderschuhe auf dem weichen Untergrund. Ehrfürchtig blicke ich auf die wackelnde Erdoberfläche. Plötzlich realisiere ich: „Nur 60 Zentimeter tiefer hat die Erde 360 °C.“ Nichts wie weg. Dabei hätte ich gerne noch länger dem Anblick der lebendigen Erde gefrönt. Nicaragua gilt als Land der 1.000 Vulkane. Tatsächlich sind es zwar „nur“ gut 40, die sich entlang der Pazifikküste wie auf einer Perlenkette aneinanderreihen, der Anblick ist dennoch einzigartig. Viele von ihnen sind noch aktiv, fünf der Feuerberge wollen wir besteigen: Mombacho, Cerro Negro, Las Pilas, Telica und San Cristobal.

VULKANBESTEIGUNG

Dazu heißt es früh aufstehen. Um 4.30 Uhr zippe ich mich aus meinem Schlafsack, begrüße Hühner und Ferkel, die vor meinem Zelt spazieren, und beobachte den Bauern beim Melken meiner Kaffeemilch. Im Morgengrauen brechen wir aus unserem Camp bei der Lagune El Tigre auf

In der Morgenkühle müssen wir Strecke machen, bevor die Sonne erbarmungslos brennt, denn heute wollen wir zwei Vulkane, den Las Pilas und den Cerro Negro, auf einen Streich schaffen. Der Pfad schlängelt sich durch Trockenwald, der jetzt struppig und leicht begehbar ist, da die Bäume ihre Blätter während der Trockenzeit abwerfen. Anders in der Regenzeit. Dann muss man sich den Pfad mit der Machete durch das Dickicht schlagen. Der Schweiß rinnt bei tropischen Temperaturen, da ist jeder Stopp willkommen, ob zum Trinken oder Staunen. Tourguide Immanuel, gebürtiger Kemptner, drückt mir eine frisch gepflückte Maracuja zum Reinbeißen in die Hand, zeigt uns einen 500 Jahre alten Guanacaste-Baum, dessen Früchte wie Ohrringe aussehen, erklärt die Namen uns unbekannter Früchte und lässt uns an der Nationalpflanze Sacuanjoche mit ihren zarten weißen Blütenblättern riechen.

Ein Waschbär raschelt im Unterholz und Scharen tropischer Vögel und Zikaden begleiten uns singend. Nach vier Stunden Gehzeit die letzte Pause im Schatten zu Füßen des Vulkans Pilas, unserem ersten Ziel in 1.088 Meter Höhe. Die haben wir uns verdient! Ab jetzt wird die Landschaft lebensfeindlich. Schwarzes Lavagestein, wohin wir gucken. Hitze wie aus dem Backofen und absolute Einsamkeit. Unsere Schritte werden kleiner, der Anstieg steiler und der kegelförmige Krater El Hoyo will kaum näher kommen. Erst der Abstieg durch ein Akazienwäldchen bringt etwas Entspannung.

Der 45-minütige Aufstieg über Geröll und Felsen auf den Krater des Cerro Negro, dem schwarzen Hügel, auf 726 Meter Höhe verlangt uns nochmals unsere letzten Kräfte ab. Bald wechselt die dunkle Monotonie in eine farbenfrohe Gesteinslandschaft. Eisen, Schwefel und Magnesium leuchtet wie von Malerhand erschaffen rot, gelb und weiß um die Wette. Um mich herum blubbert es aus unzähligen Babyvulkanen.

VULKANABFAHRT AUF SCHUHSOHLEN

Ein besonderes Abenteuer verspricht die Abfahrt vom Vulkan. Der 41 Grad steile Hang mit seiner geröllartigen Vulkanasche ist bekannt unter den Adrenalin-Junkies, ob mit dem Surfboard oder dem Mountainbike. Hier erreichte der Österreicher Markus Stöckl 2011 den Geschwindigkeitsweltrekord mit 164,5 km/h. Wir bevorzugen die Schuhsohlen. Das Körpergewicht Richtung Berg auf die Fersen verlagert, und mit zwei Wanderstöcken geht die Post ab! In Riesenschritten und eine wehende Staubfahne hinter uns herziehend heizen wir den 600 Meter langen Hang hinab. Völlig von Lavastaub überzogen kommen wir lachend am Fuße des Feuerbergs an und genießen frische Mango, Wassermelone, Käsespieße und Oliven, die unser französischer Camp-Koch Jean-Paul appetitlich zubereitet hat. Hoch hinauf geht’s bei der Besteigung des immer aktiven Vulkans San Cristobal, der mit seinen 1.776 Metern Höhe alle anderen überragt und stets ein weißes Dampfhäubchen trägt. Vom Kraterrand reicht der Blick bei klarem Wetter bis zum Pazifik, bis nach Honduras und El Salvador. Doch wir sehen nur graue Schwefeldämpfe, die aus dem unschätzbar tiefen Krater aufsteigen. Die Erde lebt!

AUF ZUM ARCHIPEL SOLENTINAME

Viel versprechend ist der Archipel Solentiname, ebenfalls vulkanischen Ursprungs, am südlichen Ende des Nicaragua Sees, der fünfzehnmal größer ist als der Bodensee. Hier leben verteilt auf 36 Inseln gerade einmal 1.000 Menschen. Mancarrón, die größte der Inseln, ist unser Ziel. Schon beim Anlanden am Bootssteg prahlen die Bäume mit mehr Grüntönen, als jeder Wasserfarbkasten hergibt. Wir sind im Regenwald in einer anderen Klimazone! Ein Trampelpfad führt zu unserem Hotel Mancarrón, eine Oase der Ruhe mitten im Grünen direkt am See.

Kleine Chalets reihen sich aneinander, von der Terrasse höre ich den See rauschen, Papageien kreischen und ein Kolibri fliegt von der lila Bougainvillea zum rot blühenden Cashewbaum. Ein echter Aussteigertraum! Das dachte sich auch unser Guide Immanuel vor 14 Jahren, als er hier zblog9um ersten Mal herkam. Er blieb und engagiert sich seitdem für ökologischen Tourismus in Nicaragua.

Auch Künstler lassen sich von der Schönheit des Tropenparadieses inspirieren und stellen sie in der naiven Malerei und in Bildhauerkunstwerken farbenfroh dar.Regenwald pur erleben wir mit dem Boot auf dem Fluss Papaturro, im Naturschutzgebiet Los Guatuzos. Hier lauschen wir dem tropischen Vogelkonzert und entdecken eine neue Art der Langsamkeit. Ganze Fledermauskolonien kleben kopfüber an Urwaldriesen. Eisvögel, Kormorane, Tigerreiher und viele uns bisher unbekannte Vögel fliegen zwischen Bananen, Palmen und all den Urwaldbäumen, die das Ufer säumen.

Zu Fuß geht es noch tiefer in den tropischen Garten. Zugleich erschrickt mich ein Brüllaffe, der in der Mittagshitze faul zwischen den Ästen hängt, mit seinem ohrenbetäubenden Schrei. Auch wir wollen in die Affenperspektive und gelangen über eine 11 Meter hohe Leiter auf eine Hängebrücke, die 150 Meter weit zwischen Baumwipfeln und Palmenwedeln verläuft. Eine sehr schaukelige Angelegenheit!

NACH VIEL NATUR EIN BISSCHEN KULTUR

Das Vorzeigestädtchen Granada am Fuße des erloschenen Vulkans Mombacho ist das koloniale Rothenburg ob der Tauber, das den Besucher in die Zeit der spanischen Eroberung zurückversetzt. Ein besonderes Flair strahlt jedoch León aus, die zweitgrößte Stadt Nicaraguas. Abends tummeln sich die Studenten, die aus dem ganzen Land gekommen sind, um an der ältesten Universität Lateinamerikas zu studieren, auf den Straßen.

Aus den Bars, die sich aneinanderreihen, dröhnen internationale Musik-Hits aus den Boxen. Tagsüber verwandelt sich der Platz vor der Kathedrale in einen bunten Markt, auf dem lautstark Kunsthandwerk dargeboten wird.

Jeder Verkäufer ist stolz auf seine Arbeit und erzählt gerne seine ganz persönliche Geschichte. So nehme ich einen Koffer voller Geschichten und bunter Eindrücke mit nach Hause, die dieses Nicaragua-Abenteuer unvergesslich machen.