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CHILE TAG 3 | DEN SCHMERZ WERT

Ich geb’s zu: Ich musste gestern in San Pedro noch eine lange Unterhose kaufen. Dass es kalt wird, war mir klar. Aber soooo kalt. Damit kamen unsere noch auf den deutschen Sommer geeichten Körper erstmal nicht klar.

Tag 3: Den Schmerz wert

Bis zu minus 17 Grad Celsius erwarteten uns heute am El Tatio. Doch machen wir es kurz: Vale la pena! Zu deutsch: Es ist es wert, wortwörtlich übersetzt: Es ist den Schmerz wert. Am Fuße des Vulkans El Tatio (4.280 m) liegt das drittgrößte Geysirfeld der Erde (nach Yellowstone in den USA und Dolina Geiserow in Russland). Nach oben drückende Erdmasse und Magma erhitzt das Grundwasser, bringt es zum Kochen und erhöht den Druck unter der Erdoberfläche derart, dass an rund 110 Stellen blubbernde Wasserblasen aus dem Erdboden eruptieren oder gar in heißen Fontänen gen Himmel steigen.

Der Anblick beim Sonnenaufgang? Ein atemberaubendes Spektakel. Vorsichtig wandelten wir durch den wabernden Wald aus über 80 Grad heißen Dampfsäulen, dahinter die schwarze Silhouette des El Tatio. Die aufgehende Sonne malte den Himmel blau, lila, orange und gelb. Wäre nicht die klirrende Kälte gewesen – wir würden wohl jetzt noch dort oben sein, Fotos machen, staunen und versuchen zu verstehen, welch magische Gewalt sich unter unseren Füßen aufbäumt.

Es waren jedoch nicht nur die Temperaturen, die uns zu schaffen machten und weiter zwangen. Auch die Höhe zollte ihren Tribut. Wir alle bekamen erste Anzeichen der gefürchteten Höhenkrankheit zu spüren. Der eine leicht, der andere gar schwer. Die Natur ist kein Freizeitpark. Das bekamen wir heute kräftig zu spüren. Würde man nicht bereits von dem Anblick der Gegend andächtig werden – die Höhe würde dafür sorgen. Doch Paul und Tanja sind Outdoor-Enthusiasten wie sie im Buche stehen und ließen sich von der körperlichen Belastung nicht die Begeisterung schmälern.

Neugierig saugten sie jedes Wort unserer Reiseleiterin auf. Äußerst sparsam machten sie pro Halt vielleicht ein oder zwei Bilder. Viel lieber nutzten sie die Zeit, um zu verstehen wie solch landschaftliche Schönheit entstehen konnte und sich weiter formt. Einmal reiße ich Paul aus seinem Tagträumen heraus und frage ihn, was er denkt. “Es ist einfach fantastisch. Diese Berge, diese Aussicht, die Farben. Einfach toll. Supergeil”, kam es dabei aus ihm heraus. Und sein Blick schwenkte bereits wieder weiter in die Ferne. Die Rückfahrt nach San Pedro führte uns vom schneebedeckten El Tatio zurück in die Wüste.

Einzelne vereiste Schneefelder, die vom Wind zu Stacheln schief aufgeschoben wurden, lagen auf der einen Seite, trockene, braune Flächen auf der anderen. Teils wie mit dem Lineal gezogen trennten sie sich. Mit Tee aus der Coca-Pflanze wärmten wir uns und bereuten nach wenigen Metern die idiotische Idee, aus Bechern heißen Tee auf voller Buckelpistenfahrt zu trinken – auch ein Weg, die Hände schnell wieder aufzutauen.

Auf diese unkonventionelle Weise frisch aufgewärmt, vergaßen wir beim Blick durch das Autofenster fast, dass wir uns noch immer durch eine winterliche Gegend bewegten. Der Boden war karg und trocken, bis zu 3 Meter hohe Kakteen ragten hinauf, gelb-gedorrte Gräser wehten im Wind – ein Anblick, den wir bisher eher mit 30 Grad als 0 Grad Celsius verbanden. Das Highlight für Kamerafrau Vivi: Vicuñas. “Jetzt bin ich richtig richtig glücklich”, flüsterte sie den scheuen und zarten Tieren, ein wenig verliebt, entgegen. Zurück in San Pedro de Atacama hatten wir heute, glaube ich alle nur noch einen Wunsch: Mittagsschlaf. Und den gönnten wir uns auch.

P.S.: Die Neugier trieb mich am Abend nochmal ins Dorf. Die Ohren bestimmten die Richtung. Ich folgte der Musik durch stockdunkle Gassen (Straßenbeleuchtung gibt es nicht). Nur ein paar Glühbirnen leuchteten vereinzelt aus Lehmhäusern. Die Musik lockte mich zur Plaza, wo ich auf eine Kapelle und Tanzgruppe stieß. Ich konnte noch nicht herausfinden, was sich dahinter verbarg, aber die Szenerie war elektrisierend. Eine Kapelle, bestehend aus vier Trompetern, vier Tubisten, einem Becken- und einem Paukenspieler. Vor allem die letzten beiden hatten es mir sofort angetan: Der Paukenspieler trug eine wirklich monströse Pauke vor sich her und erzeugte – wenn auch nicht immer im Takt und mit Neigung zum kleinen “Pauken-Solo” – einen Bass-Rhythmus, der auf der Brust drückte und durch den ganzen Körper drang. Der Becken-Spieler hingegen – im schulischen Musikunterricht früher mit dem Triangel-Spieler zumeist als unmusikalischste Person identifiziert – groovte mit seinen Becken ab wie nie gesehen. Sogar Tricks hatte er parat und haute seinen Becken zwischen den Beinen, hinter den Beinen und überkreuzt zusammen.

Vor den Musikern tanzten Einheimische in Reihe. Immer mit dem Blick zu einer goldenen Fahne (ich konnte nur den Schriftzug “Virgen del Carmen”, also Jungfrau Carmen, entziffern) und einer etwas kitschig geratenen Madonna-Statue. Abwechselnd traten sie, Reihe um Reihe, an die Madonna heran und tanzten mit einer gleichbleibenden, ruhigen Schrittfolge und leicht drehendem Oberkörper ehrerbietend vor ihr. Anschließend reihten sie sich wieder ganz hinten ein. Die Musik blieb etwa eine Viertelstunde – kleine Pauken-Solis ausgenommen – gleich und füllte die Plaza mit einem hypnotischen, fast schon markerschütternden Rhythmus. Ich muss gestehen, dass es schwerfiel, still zuzuschauen und sich nicht mit einzureihen.