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CHILE TAG 8 | WIR KOMMEN WIEDER RUNTER

Genau genommen dauert die Heimreise vom Norden Chiles zweieinhalb Tage. Von Putre, kurz vor der bolivianischen Grenze, geht es nach Arica an den Pazifik. Von da aus mit dem Flugzeug wieder zu unserem Ausgangspunkt Santiago de Chile.

Tag 8: Wir kommen wieder runter

Nach einer Nacht in der Hauptstadt geht es dann mit dem Flugzeug über den großen Teich nach Madrid. Und von Madrid aus dann nach Frankfurt. Von Frankfurt ist es für Vivi (Stuttgart), Tanja und Paul (Hamburg) und mich (München) dann nur noch ein Katzensprung. 2,5 bis 4,5 Stunden mit dem ICE und zack – daheim!

Wenn man eine solche Rückreise vor sich hat, helfen zwei Dinge: Erstens, nochmal alles aufsaugen, was geht. Und zweitens, dem Motto der letzten Tage treu bleiben: Traaaaanquilo – gaaaaaanz langsam… Bevor wir also heute von Putre nach Arica fuhren, machten wir am Vormittag noch einen Schlenker über den Chungará. Auf 4.500 m gelegen ist der höchste Vulkan-See der Welt und zugleich einer der höchsten Seen überhaupt. Was ihn darüber hinaus einzigartig macht: Stimmt das Wetter, spiegeln sich in ihm Parinacota (6.348 m) und Sajama (6.520 m) so klar, dass man fast die Orientierung verliert.

Hierzu ist zu sagen: Der Parinacota ist sowas wie der Streber unter den Vulkanen. Denn wohl kein zweiter hat eine solch perfekt symmetrische Bilderbuch-Silhouette wie er. Neben ihm ist der Sajama zu sehen. Er liegt bereits in Bolivien und ist der höchste Berg des nordöstlichen chilenischen Nachbarstaats. Unser Plan war recht einfach: Mit dem Auto hinfahren, ein wenig am See entlang spazieren, ein paar letzte Fotos aus dem chilenischen Hochland schießen und anschließend die Fahrt nach Arica antreten.

Gut in der Zeit liegend, gönnten wir uns noch einen kurzen Stopp auf dem Weg und beobachteten in den “Cuevas” (Höhlen) die chinchilla-artigen Viscachas. Morgens, wenn die Sonne rauskommt und es wieder warm wird, kommen die kleinen Wollknuddel aus ihren Familien-Verstecken (Viscachas leben tatsächlich in Familien) rausgehoppelt, suchen sich ein sonniges Plätzchen und wärmen sich erstmal auf. Anschließend stärken sie sich mit einer vegetarischen Mahlzeit für den Tag. Was sie clever machen: Versucht man sie zu fotografieren, drehen sie sich fast schon automatisch mit dem Hinterteil zur Kamera. Oder verstecken sich mit dem Kopf hinter einem Busch oder Stein. Ob sie dies bewusst machen oder ob wir heute einfach nur das dauernde Pech hatten, weiß ich nicht. Aber irgendwie lustig war es schon.

Alles andere als lustig war, was wir ein paar Minuten später sahen: Stau auf der Ruta 11 wie ich ihn aus München von sonnigen Samstag auf der A8 kenne. Allerdings ist die Ruta 11 keine Autobahn, die durch eine Millionenstadt in Ski- und Wandergebiete führt, sondern eine Schotterstraße, die sich durch den nahezu menschenleeren Nationalpark Lauca zieht. Und es sind keine Wochendausflügler und Urlauber, die die Straße füllen, sondern LKW.
Wir haben sie gezählt. 95 standen Schlange! Zählen konnten wir sie,
indem unser Fahrer Eduardo entspannt in die Gegenfahrbahn wechselte
und alle überholte.

Unser Glück: Eduardo kennt die Region und die Straßen wie seine Westentasche. Er fuhr bereits für Bergbaubetriebe und fährt heute nicht nur Reisegruppen, sondern auch Individualreisende und Bergsportler in die abgelegensten Ecken. In den Anden ein guter Autofahrer zu sein, bedeutet ständig Risiken abschätzen zu können. Ohne dabei zu ermüden. Und wenn doch, dies rechtzeitig zu merken und im Nirvana ein Päuschen einzulegen.

Es ist eine höllische Kombination aus Höhe, Öde, Fahrtlänge, Straßenzustand, Autozustand, Termindruck und sich eventuell schließenden Straßen, Pässen und Grenzen, die Fahrer hier oben zermürben kann. Und sie häufig in den Straßengraben treibt, wie wir leider selbst am frühen Morgen unweit hinter Putre sehen mussten. Doch Eduardo ist ein sehr bedachter und konzentrierter Fahrer, für dessen Hilfe hier oben in den vergangenen Tagen wir alle sehr dankbar sind. Doch zurück zum Stau: Routiniert reihte sich Eduardo also ganz vorne vor dem ersten LKW am Straßenrand ein und erkundigte sich an der vor uns liegenden Baustelle, was Sache ist. Es hieß, die Straße nach Bolivien werde mit Sprengungen erweitert. Ein Glück für die Bolivianer, die auf diese Straße wirtschaftlich sehr angewiesen sind. Immerhin trugen fast alle der 95 LKW ein bolivianisches Kennzeichen. Und um die Straßen auf ihrer Seite zu erneuern, fehlt Bolivien das Geld wie wir erfuhren. Rund 30 entgegenkommende LKW mussten wir abwarten, dann durften wir als erstes passieren. Hätten wir einen Mietwagen statt Eduardo gehabt, dürften wir wahrscheinlich erst jetzt – am späten Abend – weiterfahren.

Am Lago Changará hatten wir heute jedoch leider nicht so ein unverschämtes Glück wie die Tage zuvor. Teile der See-Oberfläche waren noch zugefroren. Andere waren bedeckt mit Kraut und Algen. Und auch der Wasserstand war rund 4 Meter unter normal. Alles zusammen sorgte dafür, dass sich weder Sajama, noch Parinacota heute in der Klarheit auf dem Wasser spiegelten wie erhofft und zuvor auf Bildern gesehen. Pauls Entdecker-Geist war geweckt. Eifrig durchstreifte er das Süd- und Westufer, um einen Blickwinkel zu finden, von dem aus das Spiegelbild nicht durch Eis, Algen oder Ufer gebrochen wird. Leider vergebens. Der Chungará zeigte uns heute nicht seine Schoko-Seite. Doch die Natur ist nun mal keine Postkarte. Und ein Ort ist nun mal auch kein Zustand, sondern stetige Entwicklung und Veränderung. Nicht Bekanntes, sondern die Schönheit einzigartiger, unbekannter Momente zu sehen und zu erschließen ist Sinn und Kunst des Reisens. Wir haben in der letzten Woche viele Orte gesehen, die wir zuvor aus Büchern, Magazinen und Fernsehbildern kannten. Doch es war nicht der reale Anblick, der uns packte und träumen ließ.

Es war die Fahrt dahin, das Zittern vor Kälte, das Rascheln im Gebüsch, das Wärmen und der Geschmack des Tees oder das Zwitschern der Vögel (das wie blödes Lachen klingt, wie heute am Chungará), das uns aus unserem Alltag riss und eine für uns “andere Welt” nicht nur bewusst machte, sondern mit allen Sinnen spüren ließ.

Knapp drei Stunden dauerte die Fahrt in die Küstenstadt Arica, wo wir jetzt noch eine Nacht im Hotel verbringen, bevor es morgen früh um 7 Uhr weiter nach Santiago geht. Wir haben kaum gesprochen im Auto. Jeder von uns vieren blickte stattdessen gedankenverloren aus dem Fenster. Ich weiß nicht, was den anderen drei durch den Kopf ging. Ich glaube, selbst wenn ich fragen würde, würde ich es nicht erfahren. Man kann Reisen nicht in Worte fassen. Denn Reisen ist nicht zu fassen. Eine Reise ist nicht zu Ende, nur weil man den fernen Ort verlässt. Ich glaube viel eher, dass die Reise erst so richtig losgeht, wenn man den Ort verlässt.