zur maier-sports.com
  1. Newsletter
  2. Facebook
  3. Instagram
  4. Maier Sports www.maier-sports.com

Jetzt Ihren Maier SportsNewsletter abonnieren

Bleiben Sie auf dem Laufenden: Tolle Gewinnspiele und Aktionen, die neuesten Kollektionen sowie aktuelle Outdoor-Trends.

Wir geben Ihre Daten selbstverständlich nicht an Dritte weiter. Abmelden jederzeit möglich.

Touren-Spass unter dem Polarlicht

Aller guten Dinge sind drei. Diesmal sollte bei unserer Reise nach Senja, zu der traumhaften Insel im Norden Norwegens, alles so perfekt wie möglich sein. Für unseren dritten Anlauf hatten wir vor allem deutlich mehr Zeit eingeplant, sowohl um die üblichen nordischen Wetterkapriolen in aller Ruhe auszusitzen als auch um die tollen Ski- und Tourengebieteauf dem Weg nach Norden genießen zu können.

Es war die dritte Reise nach Senja. Und das aus gutem Grund: Vor zwei Jahren hatten wir mehr oder weniger zufällig diese zweitgrößte Insel Norwegens, hoch oben im Norden, als Ski- und Tourengebiet für uns entdeckt. Doch anhaltende Schlechtwetter-Fronten, die wir in meinem dafür doch recht kleinen Passat ausgesessen hatten, trieben uns nach gut einer Woche wieder in südlichere Gefilde.

Die auf der Insel geschlossenen Freundschaften lockten uns im vergangenen Winter erneut nach Senja. Bei besten Bedingungen konnten wir zahlreiche Skitouren genießen. Zusammen mit unseren norwegischen Freunden Kerstin, Bent und Mats versuchten wir uns an der damals noch nicht begangenen „Haute Route“ über die Gipfel der Insel.

Ein Schlechtwettereinbruch am vierten Tag der Überschreitung setzte unserem Traum jedoch ein stürmisches Ende! Somit war eine erneute, die dritte Reise in Richtung des nördlichen Polarkreises quasi vorprogrammiert.

Perfekt vorbereitet

Da trifft es sich natürlich hervorragend, dass uns dieses Jahr die Firma Hymer aus Bad Waldsee großzügig mit einem nagel-neuen Wohnmobil unterstützt! Somit haben wir neben unglaublich viel Stauraum auch noch eine luxuriöse Wohngelegenheit. Als absolute Wohnmobil-neulinge, deren bisheriges Komfort-Niveau für skandinavische Winterreisen mit einem kleinen Zelt hinter dem Auto bestens abgedeckt war, stellt das natürlich eine vollkommen neue Dimension dar!

Nur vor den Fahreigenschaften eines so großen Fahrzeugs haben wir gehörig Respekt. Schließlich liegen knapp 10.000 km Fahrstrecke vor uns, davon mindestens 4.000 auf Schnee und Eis! Doch das Hymermobil ist auch durch die widrigsten Straßenverhältnisse nicht aus der Ruhe zu bringen. Der zuschaltbare Allradantrieb beruhigt auf den steilen Fjordstrecken die Nerven zusätzlich. Bestens ausgestattet kann es also zum dritten Mal in Richtung Senja losgehen. Kaum haben wir die großen Seen im südlichen Schweden passiert, kommt echte Urlaubsstimmung auf.

Polarlichter und menschenleere Skigebiete

Leider ist die Schneelage diesen Winter auch in Schweden eher dürftig und so streichen wir die erhofften Besuche der südlichen Skigebiete vom Programm und rollen gemütlich den Inlandsvägen in Richtung Norden hinauf. Um etwas Zeit zu sparen, bringen wir große Streckenabschnitte nachts hinter uns. Dies erweist sich als gar nicht so einfach, da uns immer wieder grandiose Polarlichter zum Stehen bleiben und Staunen bringen! Auf unserer Fahrt nach Norden leuchtet das obligatorische Polarlicht immer über uns, bis wir gegen Mitternacht am Parkplatz des Skigebiets am Dundret, nahe der Bergwerksstadt Gällivare, ankommen.

Ein fast menschenleeres Skiresort mit großartigem Ausblick über die Tundra schwedisch Lapplands. Nach traumhaften Skitagen mit faszinierenden Abfahrten geht’s weiter auf der E45. Wir bahnen uns unseren Weg durch einen ausgewachsenen Schneesturm in Richtung Kiruna, wobei wohl nicht nur mir ganz gewaltig die Oberschenkel brennen.

Am Abend erreichen wir unser nächstes Ziel: das Skigebiet von Abisko. „Nuolja-Offpist“ ist so in etwa wie La Grave in Schweden! Ein altersschwacher Sessellift führt auf einen Berg südlich des Torneträsk, und es ist keine wirklich präparierte Abfahrtspiste vorhanden. Dafür gibt es eine Menge steiler Rinnen, Flanken und eine unendliche Anzahl von Baumlinien.

Der dichte Schneefall, der die ganze Nacht angehalten hat, sorgt am kommenden Morgen für erhebliche Verzögerungen, da im Kernbereich des Gebiets erst noch zahlreiche Lawinensprengungen stattfinden. Als wir am Liftschalter endlich unser handgeschriebenes Liftticket entgegennehmen, können wir es kaum erwarten! Gut knietiefer, fluffiger Pulverschnee und außer uns so gut wie keine anderen Skifahrer – ein absoluter Traum! Auch wenn wir bei den –28 °C und strammem Wind im Lift jedes Mal beinahe erfrieren.

Schrecksekunde

Die darauffolgende Abfahrt mit Blick auf Lapporten und den Torneträsk macht alles wett! Nach unschlagbaren Freeride-Tagen fahren wir weiter nach Norden. Zwei tolle Skitouren auf der Insel Kvaløya folgen, bevor wir auf Senja ankommen, dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Nur noch wenige Schritte und wir stehen auf dem Gipfel der Segla! Dieses Jahr können wir sogar bis ganz nach oben die Ski an den Füßen lassen, was bei diesem recht eigenwilligen Skitourenziel keineswegs als selbstverständlich ist.

Und dabei hatte alles eher wenig vielversprechend begonnen. Denn tags zuvor stolpert meine Freundin Toni bei einer Abfahrt vom Gipfel des benachbarten Roalden über eine gefrorene Schneewächte und schlittert gut 50 Meter kopfüber den Berg hinunter – keine drei Schwünge von einem gut 400 Meter tiefen, senkrechten Steilabbruch entfernt. Der Schreck sitzt ihr natürlich ziemlich in den Gliedern und der Genuss der eigentlich noch traumhaft schönen Traverse über den Höhenzug zum Litlehesten bleibt ein wenig auf der Strecke.

Allrad bewährt sich

Der kommende Morgen empfängt uns mit Schneeschauern bei – für die nördliche Lage – sehr milden Temperaturen. Bent empfiehlt uns einen kleinen, unscheinbaren Hügel mit dem Namen Arnakken, nahe der Ortschaft Fjordgård im Ørnjorden. Die Straße dorthin ist vom Schneefall der vergangenen Nacht noch von einer ansehnlichen Schneeschicht  bedeckt und spätestens bei der steilen Auffahrt zum Parkplatz oberhalb der Schule  in Fjordgård sind wir mehr als dankbar für den zuschaltbaren Allradantrieb und das mit reichlich Bodenfreiheit gesegnete Fahrwerk unseres Hymer-Sprinters. Ein Knopfdruck und schon brummt der kräftige Diesel brav die steilen Kurven hinauf.

Während wir uns startklar machen, lässt der Schneefall immer mehr nach und der Wind reißt die ersten Löcher in die dünner werdende Wolkendecke. Auf dem Weg zum Storevatnet zeigen sich sogar schon die ersten Sonnenstrahlen, und Tonis Selbstvertrauen kommt mit jedem Schritt bergauf mehr zurück. Zu unserer Rechten taucht der perfekte Abfahrtshang der Segla auf und leuchtet mehr als einladend zu uns herüber. Ich würde ja schon recht gerne die tolle Abfahrt vom vergangenen Jahr wiederholen, aber nach dem Sturz von gestern weiß ich nicht so recht, ob meine bessere Hälfte dies auch so sieht. Aber einen Versuch wäre es doch wert!? Zur Not könnten wir ja noch immer umkehren und zum Arnakken zurückkehren.

Steil und anstrengend

Ich denke so vor mich hin, während ich in Tonis Spur hinterherstapfe. Plötzlich bleibt sie stehen und sieht mich fragend an. „Meinst du, ich komme da hoch? Und vor allem auch wieder runter? Können wir einen Versuch starten?“ Immerhin ist die Lage des Berges, direkt über einem 300 Meter hohen, senkrechten Abbruch hinunter in den Mefjorden, schon Respekt einflößend. Alles klar, wir ändern unseren Kurs nach Nordosten ab und kämpfen uns durch dichtes Birkengestrüpp in Richtung Segla. Oben angekommen, empfängt uns neben der phänomenalen Aussicht, über den von spektakulären Gipfeln eingerahmten Fjord auch die Sonne! Das Schneegestöber des Vormittags ist nun endgültig passé. Eine flotte Brise versucht, die letzten Wolken zu vertreiben. Die Pause haben wir uns redlich verdient, und so sitzen wir erst einmal eine ganze Zeit lang auf einer Felsplatte und genießen die Wärme.

Eile brauchen wir jetzt hier im April nicht mehr haben, vor 21 Uhr wird es nicht dunkel. Auch ein Vorteil, wenn man so weit nördlich des Polarkreises unterwegs ist!

Von unserem Brotzeitplatz aus sieht die restliche Strecke bis zum Gipfel eher aus wie ein kurzer Spaziergang, immer an der Abbruchkante entlang! Im vergangenen Jahr konnte ich den Gipfel bereits zusammen mit Bernd erreichen und weiß, dass vor allem der erste Abschnitt „gut geneigt“ ist. Am Abend nach der Tour erzählt uns Bent, dass der untere Teil zwischen 38° und 40° Hangneigung aufweist, der obere immerhin noch gut 30°. Dazu der atemberaubende Tiefblick über die Wand hinaus ins Meer macht den Anstieg zu einem spannenden Erlebnis. Im Gegensatz zum letzten Mal haben wir heute jedoch perfekten Schnee. Und so zieht Toni die steile Spur ohne Probleme hinauf. Ab und zu bleibt jetzt wieder eine kleine Wolke am Berg hängen und beschert uns damit ein alpines Ambiente! Im obersten Teil flacht der Hang zunehmend ab und wir dehnen unsere Spur weiter nach rechts aus. Doch auch hier ist Vorsicht geboten! Auf ihrer Nordostseite bricht die Segla ebenfalls senkrecht bis überhängend ab. Jedoch haben wir dafür auch hier einen tollen Tiefblick auf das idyllische Fischerdörfchen Fjordgård.

Wetterkapriolen mit gutem Ausgang

Nun sitzen wir also auf dem 640 Meter hohen Gipfel und sehen fürs Erste – NICHTS! Gerade als wir einen der spektakulärsten Gipfel Senjas erreichen, beschließt Petrus, dass es jetzt erst einmal genug der Sonnenstrahlen ist, und setzt eine fette Wolke direkt auf „unsere“ Bergspitze! Keine Ahnung, woher sie so plötzlich kommt. Dazu beginnt es zu schneien, was das Zeug hält! Aber die Erfahrung der letzten Stunden hat uns gezeigt, dass dies nicht von langer Dauer sein wird. Und tatsächlich – nach einem recht winterlichen Gipfel-imbiss kommt die Sonne zurück!

Erst präsentiert sie uns einen riesengroßen doppelten Halo, dann vertreibt sie die letzten Wolken und wir genießen ein großartiges Panorama: Der zerklüftete Gipfel des Breitinden, mit 1.017 Metern der höchste Gipfel auf Norwegens zweitgrößter Insel, schließt den Mefjorden fast schon majestätisch nach Süden hin ab. Weiter westlich reiht sich ein Skitouren- und Alpinklettertraum an den nächsten: Store Hesten, Roalden und Burstind sind nur einige wenige davon. Auf der östlichen Seite der Segla flankieren die Gipfel von Keipen und Grytetippen den Ørn-fjorden. An dem wilden Gipfel nördlich von uns versuchten sich schon mehrfach norwegische und britische Klettergrößen an einer vollständigen Überquerung der spektakulären Gratlinie im Winter, bisher gelang dies jedoch keinem Aspiranten.

Der Kitzel im Bauch

Wir liegen flach auf einer kleinen Felsplatte direkt auf dem Gipfel und genießen den Kitzel im Bauch! Der Gipfel hängt leicht über, und so haben wir freien Tiefblick auf die Brandung, die 640 Meter unter uns an die Klippen donnert. Da es uns langsam ziemlich frisch wird, bereiten wir uns auf die Abfahrt vor. Bei den ersten paar Schwüngen ist Tonis Anspannung nach dem gestrigen Abflug noch deutlich zu spüren. Doch schon bald findet sie ihren Rhythmus wieder und es geht locker und flott bergab – dem irren Tiefblick zum Trotz!

Der Schnee ist traumhaft fluffig und herrlich zu fahren. Nach dem steilen Abschnitt folgt noch das unvermeidliche Gestochere im Birkengemüse und schon stehen wir an unserem gemütlichen Hymer-mobil. Diesen Abend brauchen wir es ausnahmsweise nur für die Rückfahrt nach Mefjordvær, wo uns Bent in seiner kuscheligen Lodge noch einmal einen Platz anbietet. Weitere Informationen finden Sie unter RockandSnow.

von Christoph Haas